Schlagwort-Archiv: Umfragen

Das Tempolimit ist populär. Wieso also die Aufregung?

Sigmar Gabriel hat sich – wie die Grünen – für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Die Forderung wird seit Jahren von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen. Infratest dimap fand im Oktober 2012 53% Zustimmung für “ein Tempolimit von 120 km/h oder 130  km/h”, YouGov im Januar 2013 52% für ein Tempolimit von “maximal 130 km/h” und Emnid im März 2011 58% für Tempo 120. Die aufgeregten Reaktionen aus der SPD, die Gabriel zum Rückzug zwangen, lassen sich also nicht mit mangelnder Popularität der Vorschläge erklären.

Allerdings kann man auch mit populären Forderungen Wahlen verlieren. Dann nämlich, wenn das Thema für die Wahlentscheidung der Gegner bedeutsamer ist als für die der Befürworter. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist in den USA gerade eine Verschärfung des Waffenrechts gescheitert, die knapp 90% Zustimmung in der Bevölkerung hatte. Konservative Demokraten und Republikaner fürchteten bei der Abstimmung den Zorn der Gesetzesgegner, für die das uneingeschränkte Recht aus Waffenbesitz das Thema Nummer 1 ist, weit mehr als die Enttäuschung der 90%, für die die Waffengesetze kein wahlentscheidendes Thema sind. Und die SPD hat offensichtlich mehr Sorge um das Wahlverhalten vergrätzter Raser als um die Wünsche der Mehrheit, die mehr Sicherheit auf Deutschlands Autobahnen will.

Rot-grüne Stärke in den Ländern, Teil III: Schleswig-Holstein

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Es ist interessant, diese Zahlen mit dem Ergbenis der Landtagswahl 2009 zu vergleichen, die zeitgleich zur Bundestagswahl stattfand: Damals erreichte die CDU 31,5%, SPD 25,4%, FDP 14,9%, Grüne 12,4%, Linke 6,0%, SSW 4,3%. In der aktuellen Umfrage schneiden Union und FDP 6,4% schlechter ab als 2009, SPD und Grüne 8,2% besser.

Teil I: Hessen. Teil II: NRW.

Zahl der Woche: 46%

Die Frage nach der politischen Stimmung im Land ergab im jüngsten Politbarometer der Forschungsgrupppe Wahlen das folgende überraschende Bild: Rot-Grün vorn!

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Nun handelt es sich nur um eine vereinzelte Umfrage, noch dazu um ein besonders schwankungsanfälliges Stimmungsbild, nicht die stabilere Projektion des Wahlergebnisses. Und sass der Countdown zur Bundestagswahl sich in der Regel am Umfrageschnitt orientiert, soll solcher Rosinenpickerei vorbeugen. Trotzdem verdient die routinemäßige Art, mit der Rot-Grün in vielen Medien unter Berufung auf Umfragewerte 20 Wochen vor der Wahl abgeschrieben wird, diesen Kontrapunkt. Es gibt durchaus Wechselstimmung im Land und die Wahlkampagnen haben noch eine Menge Zeit, aus dieser Stimmung Stimmen zu machen.

Zur Grünen-BDK: Parteitage und Umfragen

Heute beginnt im Velodrom in Berlin die Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen. Aus diesem Anlass fragen wir uns: bewegen Parteitage wie dieser die Umfrageergebnisse?

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Die Tabelle oben gibt die Veränderung der Umfragen nach den Programm-Parteitagen im Bundestags-Wahljahr 2009 an, die untere das Gleiche für 2002.  2005 ist wegen der späten Parteitage zur vorgezogenen Bundestagswahl nicht vergleichbar.

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Die Zahlen zeigen ein leichtes Umfrageplus von im Schnitt 0,4% unmittelbar nach einem Parteitag. Im Laufe des folgenden Monat wächst dieser Aufschlag auf 0,7% an. Der an diesem Maßstab gemessen erfolgreichste Parteitag war dabei die grüne Wahlprogramm-BDK von 2009, die mit einer Steigerung der grünen Umfragewerte um kurzfristig 1,4 und mittelfristig 2,5% einherging. Die Delegierten, die heute in Berlin zusammen kommen, werden hoffen, dass es dieses Jahr wieder so gut läuft.

Blick zurück: 150 Tage zur Bundestagswahl

Wie sah Umfragelage zu diesem Zeitpunkt vor den letzten Bundestagswahlen aus?

2009 hatten Union (36,1%) und FDP (14,1%) eine absolute Mehrheit im Umfrageschnitt. SPD (25,9%) und Grüne (9,7%) waren abgeschlagen. Bis zum Wahltag verloren beide Seiten noch knapp 2 Prozentpunkte.

Auch vier Jahre zuvor ließen die Umfragen 150 Tage vor der Wahl einen Kantersieg von Schwarz-Gelb erwarten, mit sensationellen 46% für die Union. Doch sollten CDU/CSU bis zum Wahltag noch knapp 11% verlieren, die SPD, von 27,9% kommend, über 6% zulegen.

Und auch 2002 lagen die Christliberalen 150 Tage vor der Wahl deutlich vorn, mit zusammen 48% gegenüber 42% für die Regierungsparteien. Bie zur Wahl gewannen SPD und Grüne 5% dazu, Union und FDP verloren zusammen 2%.

Fazit: Umfragen 150 Tage vor der Wahl sagen noch wenig über den Wahlausgang aus. Alle Parteien haben noch eine Menge zu gewinnen oder zu verlieren.

157 Tage zur Hessen-Wahl: Wechselstimmung!

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… und wieder einmal helfen die guten Umfragewerte von Angela Merkel der Landes-Union nicht.

Veränderungen zur Landtagswahl 2009: CDU -1%, SPD +9%, Grüne +2%, FDP -11%, Linke -1%.

Beliebtester Landespolitiker ist Tarek Al-Wazir (Grüne) mit +1,0 auf einer Skala von +5 bis -5. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erreicht nur +0,6, SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel +0,5, der FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn schwache -0,4.

Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich 40% für Bouffier entscheiden, 36% für Schäfer-Gümbel. Das ist kein schlechter Wert für den Herausforderer. Zum Vergleich: Bei der niedersächsischen Landtagswahl im Januar lag Stephan Weil noch deutlicher zurück (Weil 34%: McAllister 50%) und gewann doch.

Umfairteilen bitte!

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Am Sonntag ist bundesweiter Aktionstag des Bündnisses Umfairteilen statt. An über 80 Orten demonstrieren Menschen für mehr Verteilungsgerechtigkeit, die Besteuerung von Vermögen und den Kampf gegen Steuerbetrug. Was halten die Bürger davon?

In einer Forsa-Umfrage für Campact e.V. vom April 2012 sprach sich eine große Mehrheit für die Einführung einer Vermögenssteuer aus – sogar Dreiviertel der FDP-Anhänger.

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Das deckt sich mit dem Ergebnis einer Allensbach-Umfrage vom Juli 2012, die auch große Unterstützung für eine konsequentere Verfolgung der Steuerhinterziehung belegt.

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Energiewende? Schneller, bitte!

Seit über einem Jahr wird in den Medien vornehmlich negativ über die Energiewende berichtet. Kosten, Verzögerungen und steigende Strompreise dominieren die Schlagzeilen. Wie wirkt sich das auf das Meinungsbild der Bevölkerung aus? Der BDEW hat die Forschungsgruppe Wahlen nachfragen lassen und die Ergebnisse im Energiemonitor 2013 vorgestellt. Das Interessanteste in Kürze:

1. Die Unterstützung für die Energiewende ist ungebrochen…
- Die Energiewende ist… sehr wichtig 47% (-5), wichtig 43% (+6).
- Zeitplan Atomausstieg… richtig oder zu langsam 72% (=).
- Es wollen mehr Solarenergie 85%, Wind offshore 68% / onshore 55%, Kohle 5%.

2. … aber die Unzufriedenheit mit ihrer Umsetzung ist groß …
- Die Energiewende kommt voran … weniger gut / gar nicht gut 56% (+3).
- Der Ausbau der Erneuerbaren geht… zu langsam 52% (-4), zu schnell 10% (+3).
- Daran schuld ist … Verzögerung durch Politik 30% (+8), Bürgerprotest 5% (-3).

3. … und die Kostendebatte zeigt (begrenzte) Wirkung.
- An Berichterstattung über steigende Energiepreise erinnern sich… 29% (+14).
- Ursachen für Preisanstieg: Konzerne 29% (-6), Erneuerbare Energien 15% (+4).
- Die Energiewende hat für mich eher … Vorteile 37% (-1), Nachteile 26% (+9).

4. Schließlich: Energiewende bedeutet Erneuerbare Energien & Klimaschutz. Atomkraftwerke ab- und Kohlekraftwerke einschalten ist keine Energiewende!

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