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Wahlanalyse Hannover

Die Region Hannover hat eine sehr detaillierte Wahlanalyse zur Landtagswahl erstellt (http://tinyurl.com/atalxne). Interessante Ergebnisse:

-          Wählermagnet: In der Landeshauptstadt haben die Grünen am meisten Stimmen von den Linken dazu gewonnen, in der Region von der CDU.

-          Eine Partei, zwei Kulturen? Im Hannoveraner Umland konnten die Grünen 11% der CDU-Wähler von 2008 an sich ziehen, in der Stadt nur 1,6%.

-          Weil aktiviert: Die meisten NichtwählerInnen aktivierte in Stadt und Region die SPD.

-          Sage mir wie Du wohnst …: Schwarz-Gelb holt in Vierteln mit Ein- und Zweifamilienhäusern 20 Prozentpunkte mehr als im Stadtdurchschnitt, SPD-Wähler findet man am ehesten in 60er-Jahre-Wohnungen (+7) und das sicherste Indiz für eine grüne Wahlentscheidung ist die Altbauwohnung (+12).

Erste Lehren aus der Niedersachsen-Wahl

-          Rot-Grün kann gewinnen. Trotz Gegenwind für Rot-Grün wählten die Niedersachsen die Alternative zu Schwarz-Gelb. Nur 36% hießen die Regierungskoalition gut, Rot-Grün 52% (Infratest). Die neue rot-grüne Bundesratsmehrheit gibt Sozialdemokraten und Grünen neue Möglichkeiten, sich als rot-grüne Alternative zu profilieren.

-          Politik ist wichtiger als Personen: 73% der WählerInnen fanden, dass David McAllister seine Sache gut gemacht hat, auch knapp Zweidrittel der SPD- und Grünen-WählerInnen. 51% hätten ihn direkt gewählt (Infratest). Diese hohen persönlichen Zustimmungswerte haben Schwarz-Gelb nicht retten können. Geht es Angela Merkel im Herbst genauso?

-           It’s not always the economy, stupid: Bei den Kompetenzwerten für Wirtschaft (+21), Finanzen (+19) und Arbeit (+6) lag die CDU deutlich vor der SPD (FGW). Gerade weil die WählerInnen mit der wirtschaftlichen Lage recht zufrieden sind, spielten diese Themen aber keine überragende Rolle (Als wichtigstes Thema wurden benannt: Bildung 45%, Arbeit 24%, Wirtschaft 13%, Atom 10% (Infratest).

-          Pyrrhussieg der FDP: Nur 9% ihrer eigenen WählerInnen hielten die FDP für die beste Partei (FGW). Das muss ein Negativ-Rekord sein. Dank massiver Leihstimmen aus dem Unionslager dürfen die Liberalen jetzt mit dem unbeliebtesten Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl ziehen, den eine Partei je aufgestellt hat. Glückwunsch!

-          Die Grünen punkten mit ihren Themen: Die Mobilisierungswirkung der grünen Top-Themen Energiewende, Massentierhaltung und Bildung lässt sich nicht nur am landesweiten Rekordergebnis von 13,7% ablesen, sondern auch vor Ort in Universitätsstädten, Tierhaltungsregionen und rund um Atomstandorte (s.u.).

-          Schwarz-Gelb wählt taktischer: Trotz Ausgleichsregelung hätten CDU-Überhangmandate die rot-grüne Mehrheit fast noch verhindert. Das wäre dann taktischen KoalitionswählerInnen zu verdanken gewesen: In nicht weniger als 17 Wahlkreisen mit rot-grüner Stimmenmehrheit wurde der CDU-Kandidat direkt gewählt, in nur einem Wahlkreis mit schwarz-gelber Mehrheit der SPD-Kandidat. Bedenkenswert.

Wahlanalyse Grüne

-          Partei mit Zukunft: Die Grünen sind die einzige Partei, die bei WählerInnen unter 45 Jahren überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt (17-18%, FGW).

-          Grüne Landliebe: Während die Grünen ihre besten Ergebnisse weiter in Universitätsstädten erzielen, holen sie die größten relativen Zuwächse auf dem Land.

-          Grüne Kompetenzen: Bei Energiepolitik (Grüne 33%, CDU 26%, FGW) und erstmals Landwirtschaftspolitik (Grüne 35%, CDU 34%, Infratest) liegen die Grünen vorne.

-          Grüne Demographie:  Grün wählen deutlich mehr Frauen als Männer (16%/12%), mehr Unter 60-Jährige als Senioren (18%/8%) und besonders WählerInnen mit Abitur oder Hochschulabschluss (20% bzw. 24%). 10% unter Arbeitern sind für Grüne ein beachtlicher Wert.

Niedersachsen-Wahl: Grüne Top-Ergebnisse

TOP 5 Grüne Ergebnisse
28,5% Göttingen-Stadt (Wahlkreis von Stefan Wenzel & Jürgen Trittin)
25,8% Oldenburg-Mitte
25,3% Hannover-Mitte
25,1% Lüneburg
23,4% Oldenburg-Nord

Wie immer kommen die grünen Spitzenwerte aus Universitätsstädten – sicher auch ein Erfolg der bildungspolitischen Angebote der Grünen – …

TOP 5 Grüne Zuwächse (relativ)
+123% Holzminden (Wahlkreis von Christian Meyer – Landwirtschaftsminister in spe?)
+122% Delmenhorst
+118% Salzgitter (Schacht Konrad)
+113% Peine
+110% Cloppenburg-Nord

… aber die dramatischten Zuwächse gibt es diesmal auf dem Land. In 12 Wahlkreisen konnten die Grünen ihren Zweitstimmen-Stimmenanteil mehr als verdoppeln. Auffällig darunter sind Kreise mit Massentierhaltung (Cloppenburg +103%, Cloppenburg-Nord, Grafschaft Bentheim +107%, Delmenhorst, Holzminden) oder Atomanlagen (Salzgitter [Konrad], Wolfenbüttel-Süd [Asse] 106%; im Kreis Elbe [Gorleben] erreichten die Grünen 20,4%, +7,3%). Ein klares Indiz dafür, dass die grünen Wahlkampfthemen vor Ort wirklich gezogen haben.

TOP 5 Grüne Ergebnisse auf dem Land
20,4% Elbe (Gorleben)
17,1% Buchholz (Hamburger Vorland)
17,0% Osterholz
16,0% Oldenburg-Land
16,0% Rotenburg

TOP 5 Grüne Zuwächse (absolut)
+9,2% Oldenburg-Nord
+8,8% Oldenburg-Mitte
+8,5% Osnabrück-West (Wahlkreis Doro Steiner)
+8,3% Osnabrück-Ost
+8,1% Lüneburg

5 Tage bis zur Niedersachsenwahl – es wird spannend!

Vier neue Umfragen in den letzten Tagen ergeben folgenden neuen Schnitt (Vergleich zur Vorwoche):

CDU 39,5 (-0,1)
FDP 4,9 (+1,0)
SPD 32,6 (-0,2)
Grüne 13,4 (+0,5)
Linke 3,8 (+0,3)
Piraten 3,0 (-0,9)

Rot-Grün: 46
Schwarz-Gelb: 44,4

Mit der zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Wiedereinzugs der FDP würde nun schon ein Swing von 0,9% hin zu Schwarz-Gelb für die Bestätigung der Landesregierung genügen. (Vorwoche: 3,4%)

Die neuen FDP-Umfragewerte und ein Abrutschen der Piraten an den Wahlbörsen führen zu einer Annäherung der Zahlen von Umfrage-Instituten und Börsianern: An den Wahlbörsen erreicht die CDU nun im Schnitt 37,5, die SPD 32,0, Grüne 12,7, FDP 5,6, Linke 4,3, Piraten 4,7 (https://boerse.prognosys.de/markt/ltw-ni-2013; http://eix.handelsblatt.com/). Rot-Grün 44,7, Schwarz-Gelb 43,1.

Blick nach Norden: 11 Tage bis zur Niedersachsenwahl

Infratest-dimap lieferte die erste Niedersachsen-Umfrage des neuen Jahres, die sich auf den Umfrageschnitt aber nur geringfügig auswirkt:

CDU            39,6 (-0,4)
FDP              3,9 (+0,2)
SPD            32,8 (+0,5)
Grüne        12,9 (-0,8)
Linke            3,5 (+0,2)
Piraten         3,9 (+0,2)

Geht es nach den Umfragen, können wir also mit einem Dreiparteienparlament rechnen und mit einer ausreichenden rot-grünen Mehrheit (Swing 3,4%, unverändert).

Und die Wahlbörsen? Zeigen nach wie vor ein ganz anderes Bild mit einer schwächeren Union (37), FDP (5,5) und Piraten (5,1) im Parlament, und leicht schwächeren Grünen (12,4) und Sozialdemokraten (32,4). Ergibt fünf Parteien im Landtag und eine schwierige Regierungsbildung.

Blick nach Norden: 45 Tage bis zur Niedersachsenwahl

Umfragen zur Landtagswahl sind rar.  Die aktuellste wurde von GMS im Auftrag der Landes-CDU erstellt und zeigt folgende Werte (mit Veränderung zur LTW 2008): CDU 41% (-2), FDP 4% (-4), SPD 32% (+2), Grüne 13% (+5), Linke 3% (-4), Piraten 4%; bei einem gleichmäßigen Swing könnten SPD und Grüne 2,2% nachgeben, ohne die eigene Mehrheit zu verlieren.

Die letzte Umfrage von Infratest ist schon einen Monat alt. Deshalb nehme ich eine kleine Anpassung an den seither bei Infratest feststellbaren Bundestrend vor (CDU & SPD -1, Grüne +1). Das Ergebnis:  CDU  40, FDP 3, SPD, 33, Grüne 14, Linke 3, Piraten 3. Swing: 3,9%.

Die Umfragen sehen übereinstimmend ein 3-Fraktionen-Parlament mit mehr oder weniger knapper rot-grüner Mehrheit. Ganz anders die Wahlbörsen von Tagesspiegel (https://boerse.prognosys.de/markt/ltw-ni-2013) und Handelsblatt (http://eix.handelsblatt.com, Registrierung notwendig!): CDU 36/35, FDP 6/6, SPD 33/32, Grüne 12/13, Linke 4/4, Piraten 5/5 – fünf Parteien im Landtag, keine rot-grüne Mehrheit. Auffällig sind das relativ schlechte Abschneiden der CDU und die durchgängig besseren Werte für die kleineren Parteien. Eine Erklärung könnte idealistisches oder strategisches Marktverhalten der Anhänger von FPD und Piraten sein. Oder aber die Marktteilnehmer sind – wie bei manchen Wahlbörsen der Vergangenheit – einfach näher dran an der Stimmung im Land als die Umfrageinstitute. Der 20.01. wird zeigen wer Recht behält.