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Asymmetrische Demobilisierung

Unionsinterne Bewegung bei der Homo-Ehe. Ankündigungen einer Mindestlohnregelung noch vor der Wahl. Ein Fracking-Gesetz, das vom Minister als „Moratorium“ verkauft wird. Es ist unübersehbar, dass die Bundeskanzlerin auch in diesem Wahlkampf wieder auf eine Strategie der asymmetrische Demobilisierung setzt. Statt die eigenen Anhänger durch programmatische Vorschläge zu begeistern, versucht sie, den Anhängern der Opposition die Gründe für einen Gang zur Wahlurne zu nehmen. Mit Erfolg? Das ist fraglich. Auf der einen Seite genießt Merkel wohl nicht zuletzt wegen ihres pragmatischen Kurses auch bei Wählerinnen von SPD und Grünen hohes Ansehen. Andererseits haben die starken Themen der Opposition eher an Bedeutung gewonnen (s.o.). Und die Zahl der WählerInnen, die definitiv nicht wählen wollen (14%) oder erklären, nicht zu wissen wen (13%), ist heute niedriger als vor vier Jahren (14%/16%).

Jung, weiblich, Wählerin – grün?

Das zweite Kompetenzfeld, bei dem die Grünen in der besagten Infratest/dimap-Umfrage herausstechen, ist die Frauenpolitik: „Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, die Chancen für Frauen zu verbessern?“ Ergebnis: SPD 29, Grüne 23, Union 23.

Zu dieser Kompetenzzuschreibung passend, werden die Grünen hauptsächlich von Frauen gewählt. Bei der Bundestagswahl 2009 erhielten die Grünen bei einem Gesamtergebnis von 10,7% unter Männern nur 9,4%, unter Frauen aber 12%. Und von den sechs grünsten demographischen Gruppen der repräsentativen Wahlstatistik sind fünf weiblich, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

Westdeutsche Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahre stellten am Wahltag 2009 rund 15% aller Wählerinnen und Wähler, aber knapp 26% der Grünen-WählerInnenschaft. Und dass, obwohl die Wahlbeteiligung in dieser Gruppe deutlich unter dem Durchschnitt lag und im Vergleich zu 2005 übermäßig zurückgegangen ist. Hier gibt es für die Grünen also noch einiges Wachstumspotential.

Zahl der Woche: 5 Millionen

So viele Hausbesuche möchte die SPD laut einer Agenturmeldung im Wahlkampf durchführen.  Wo würde sich die Mühe aus rot-grüner Sicht am meisten lohnen? Ein Blick auf die Wahlbeteiligung in den Wahlkreisen mit den besten rot-grünen Zweitstimmenergebnissen gibt Aufschluss:

In den meisten dieser rot-grünen Hochburgen lag die Wahlbeteiligung deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 70,8%. Besonders die gelb markierten Wahlkreise im Ruhrgebiet und in Hamburg stechen heraus. Hätte die Wahlbeteiligung in diesen Wahlkreisen den Bundesschnitt erreicht, hätten SPD und Grüne erhebliche Stimmenzuwächse verbuchen können – in den 10 grün markierten Wahlkreisen zusammen rund 46.000 Stimmen. Das entspricht 0,1% aller bei der Wahl 2009 abgegebenen Zweitstimmen.

In den grün markierten Wahlkreisen sollte es sich für die SPD besonders lohnen, an die Haustüren zu klopfen. Allerdings leben dort auch über 3 Millionen Wahlberechtigte. Das zeigt die Chancen, aber auch die Grenzen des von der SPD angekündigten 5-Mio.-Türen-Programms auf.