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Beherrschende Themen und Umfragewerte

Im Lauf des Wahljahres 2013 ist die Presseberichterstattung zu Kernthemen von Sozialdemokraten und Grünen wie sozialer Gerechtigkeit und Energie spürbar zurückgegangen. Parallel dazu sanken auch die Umfragewerte beider Parteien. Es liegt nahe, hier eine doppelte Wechselbeziehung zu vermuten: Während die verringerte Medienaktualität rot-grüner Themen den Umfragewerten der beiden Wunschpartner geschadet haben dürfte, hat es die demoskopische Schwächung der Parteien sicher nicht leichter gemacht, die eigenen Themen in den Medien zu setzen.

Für diese Analyse hat Countdown zur Bundestagswahl in der Pressedokumentation des Deutschen Bundestags anhand von Suchwort-Clustern die Zahl der Artikel ermittelt, die pro Woche bestimmte Themen aus den Bereichen “soziale Gerechtigkeit”, “Energiewende”, “Bürgerechte”, “Euro-Krise” und “Natur-/Tierschutz” ansprachen. Qualitative Kriterien wie Platzierung und Länge der Artikel konnten bei dieser quantitativen Erhebung leider nicht berücksichtigt werden. Da die Auswahl der Suchworte naturgemäß etwas willkürlich ist, lässt das Ergebnis auch nur begrenzte Schlüsse über die relative Gewichtung der Themen zu. Es zeichnet aber nach, wie sich die Berichterstattung zu den einzelnen Themen in Zeitverlauf entwickelt hat.

Pressetreffer 2013

Es zeigt sich: Bei vier der fünf Themen zeigt sich eine klarer Rückgang der Berichterstattung im Jahresverlauf. Zum Teil lässt sich das mit der Prominenz des fünften Themas – Bürgerrechte – im zweiten Halbjahr erklären. In den letzten Wochen dürfte auch die Zunahme von reiner, themengelöster Wahlkampfberichterstattung ein Faktor gewesen sein.

Was immer die Gründe, für Sozialdemokraten und Grüne war die verringerte Berichterstattung zu ihren Kernthemen sicherlich ein Manko, wie eine Gegenüberstellung mit den durchschnittlichen Umfragewerten der Parteien im betrachteten Zeitraum unterstreicht.

Presseteffer und Umfragen

Damit soll nicht geleugnet werden, dass die gegenwärtige Umfrageschwäche von Rot-Grün noch manch andere Ursachen hat. Sie lassen sich aber meist nicht so gut quantifizieren wie die sich ändernden Themenschwerpunkte der Medien.

Energiewende? Schneller, bitte!

Seit über einem Jahr wird in den Medien vornehmlich negativ über die Energiewende berichtet. Kosten, Verzögerungen und steigende Strompreise dominieren die Schlagzeilen. Wie wirkt sich das auf das Meinungsbild der Bevölkerung aus? Der BDEW hat die Forschungsgruppe Wahlen nachfragen lassen und die Ergebnisse im Energiemonitor 2013 vorgestellt. Das Interessanteste in Kürze:

1. Die Unterstützung für die Energiewende ist ungebrochen…
- Die Energiewende ist… sehr wichtig 47% (-5), wichtig 43% (+6).
- Zeitplan Atomausstieg… richtig oder zu langsam 72% (=).
- Es wollen mehr Solarenergie 85%, Wind offshore 68% / onshore 55%, Kohle 5%.

2. … aber die Unzufriedenheit mit ihrer Umsetzung ist groß …
- Die Energiewende kommt voran … weniger gut / gar nicht gut 56% (+3).
- Der Ausbau der Erneuerbaren geht… zu langsam 52% (-4), zu schnell 10% (+3).
- Daran schuld ist … Verzögerung durch Politik 30% (+8), Bürgerprotest 5% (-3).

3. … und die Kostendebatte zeigt (begrenzte) Wirkung.
- An Berichterstattung über steigende Energiepreise erinnern sich… 29% (+14).
- Ursachen für Preisanstieg: Konzerne 29% (-6), Erneuerbare Energien 15% (+4).
- Die Energiewende hat für mich eher … Vorteile 37% (-1), Nachteile 26% (+9).

4. Schließlich: Energiewende bedeutet Erneuerbare Energien & Klimaschutz. Atomkraftwerke ab- und Kohlekraftwerke einschalten ist keine Energiewende!

bdew2

Strompreise und Umfragen

Peter Altmaiers Vorschlag zur Begrenzung der Strompreise – in der Sache nichts anderes als eine Ausbaubremse für Erneuerbare Energien – wurde von vielen als „cleveres Wahlkampfmanöver“ (Tagesspiegel) bewertet. Doch ist es aus Sicht der Union wirklich klug, die Energiepreise zum Wahlkampfthema zu machen?

Die Gegenansicht besagt: Wenn über Energie geredet wird, nützt das den Grünen. Selbst dann, wenn schlecht über grüne Energie geredet wird! Denn beim Thema Energie schreiben die Bürgerinnen inzwischen den Grünen die höchste Kompetenz zu – auch bei der Frage, wer am besten für bezahlbare Energie sorgen kann.

Wer hat Recht? Was sagen die Zahlen? Die folgende Grafik setzt die Intensität der öffentlichen Diskussion über Strompreise ins Verhältnis zu den grünen Umfragewerten. Beginnend Anfang 2011 wird für jede Kalenderwoche die Zahl der Berichte über Strompreise in der Pressedokumentation des Bundestages (blaue Säulengrafik) und der durchschnittliche Umfragewert der Grünen in den wöchentlichen Umfragen von Forsa, Emnid und INSA (grüne Kurve) gegenübergestellt.

 

Das Ergebnis: Unterm Strich scheinen die aktuellen Strompreisdebatten den Grünen eher zu nützen. Nach Fukushima stiegen die grünen Werte zwar vor allen wegen der Atomfrage. Unmittelbar nach der Erhöhung der EEG-Umlage auf 5,3 Cent/kWh im Oktober 2012 gewannen die Grünen innerhalb weniger Wochen von 12% auf 15% dazu. Und seit Beginn von Altmaiers Strompreis-Inszenierung legten die grünen Werte von unter 14% auf 16% zu. Vielleicht ein Indiz, dass sich das grüne Eintreten für faire Energiepreise und eine gerechte Finanzierung der Energiewende auszahlt.

Zahl der Woche: 32%

Infratest/dimap fragte: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, „für sichere und bezahlbare Energie zu sorgen“? 32% nannten die Grünen, 22% die SPD, 21% die Union.

Hohe Werte für die Grünen sind beim Thema Energie nichts Ungewöhnliches. Doch bei einer Fragestellung, die sich unmittelbar auf „bezahlbare Energie“ bezieht, ist diese deutliche Kompetenzzuschreibung doch eine Überraschung. Zumal die Republik gerade erst einen starken Anstieg der EEG-Umlage und eine scharfe Lobbykampagne gegen vermeintlich zu teure grüne Energie erlebt hat. Die grüne Strategie, über das Thema Industrieprivilegien eine gerechte Lastentragung in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken, ist offenbar aufgegangen.

http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2012/dezember/

Zahl der Woche: 31%

… der Befragten sprechen in einer Forsa-Umfrage den Grünen die Kompetenz zu, die Energiewende zum Erfolg zu führen. Das sind mehr als für alle anderen Parteien zusammen (Union 16%, SPD 9%). Die Grünen müssen also daran interessiert sein, die Energiewende zu einem zentralen Wahlkampfthema zu machen.