Blick zurück: 100 Tage vor der Bundestagswahl

Zur Einordnung der aktuellen Umfragezahlen ein wenig historische Perspektive. Unten ist der Umfrageschnitt jeweils 100 Tage vor den letzten Bundestagswahlen aufgeführt. In Klammern finden sich die jeweiligen Veränderungen bis zur Wahl.

2009: CDU/CDU 35,8 (-2,0), SPD 24,3 (-1,3), Grüne 12,1 (-1,4), FDP 14,1 (+0,7), Linke 9,5 (+2,4). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 0,7% zugunsten von Schwarz-Gelb.

2005: CDU/CSU 46,4 (-11,2), SPD 28,5 (+5,7), Grüne 8,6 (-0,5), FDP 6,8 (+3,0), Linke 5,3 (+3,4). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 7,2% zugunsten von Rot-Grün.

2002: CDU/CSU 38,8 (-0,3), SPD 34,6 (+3,9), Grüne 6,6 (+2,0), FDP 10,7 (-3,3), Linke 5,6 (-1,6). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 4,7% zugunsten von Rot-Grün.

Bei allen drei Bundestagswahlen von 2002 bis 2009 sah es 100 Tage vor der Wahl nach einem Wahlsieg für Schwarz-Gelb aus. Gemeinsam kamen Union und FDP zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen auf 49%-53%.

2005 zeigten die Umfragen einen schwarz-gelben Vorsprung vor Rot-Grün von sage und schreibe 16%, 2002 stolze 8,5%. Doch in beiden Fällen lag am Wahlabend schließlich Rot-Grün vor Schwarz-Gelb. 2002 bescherten Oderflut und Irak-Krieg Rot-Grün einen Mobilisierungsschub, 2005 eine erfolgreiche inhaltliche Kampagne gegen die Steuerpläne der Union. 2009 dagegen fiel die rot-grüne Aufholjagd aus. Merkels Demobilisierungsstrategie wirkte.

Was heißt das für 2013? Auch wenn der Wahlkampf bislang eher an 2009 erinnert als an 2002 oder 2005, kann auf den etzten Hundert Tagen noch viel passieren. Schwarz-Gelb liegt mit knapp 45% deutlich schlechter als in den letzten Wahljahren, Rot-Grün trotz schwacher 40% immer noch besser als 2005 und 2009. Und der für eine rot-grüne Merheit erforderliche Wählerswing von 4,4% ist nicht präzedenzlos.