Grüne Steuerpläne – populär und doch gefährlich?

Die grünen Steuerpläne sind populär. In einer Umfrage nach der anderen erklärt eine deutliche Mehrheit der Befragten es für richtig, die Steuern auf hohe Einkommen und große Vermögen anzuheben. Letzte Woche haben das zwei neue Umfragen noch einmal unterstrichen, davon eine aus Baden-Württemberg. Dass die Grünen im Gegenzug 90% der Bevölkerung mehr Geld im Portemonnaie belassen wollen, wird dabei meist nicht einmal erwähnt. Für diesen Teil der grünen Pläne dürfte eine noch größere Zustimmung zu vermuten sein.

Andererseits erklären im Deutschlandtrend von Infratest dimap 56% der Befragten, die Steuerpläne würden den Grünen eher schaden. Im Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen sind es 53%. Es gibt also eine nennenswerte Zahl an Menschen, die die Pläne der Grünen in der Sache richtig, aber wahltaktisch gefährlich finden. Wie lässt sich das erklären?

Eine Standardantwort gibt es schon deshalb nicht, weil die Frage nach den vermuteten Wahlauswirkungen eines politischen Vorschlags nicht Standard. Ausweislich der monatlichen Umfrageberichte hat Infratest dimap zum Beispiel eine solche Frage seit Anfang 2009 kein einziges Mal gestellt. Erst die grünen Steuerpläne brachten das Umfrageinstitut offenbar auf die Idee, nach der ermittelten Zustimmung zur grünen Politik in dieser Form nachzuhaken.

Mögliche Erklärungsversuche wären:

1. Informationsverzögerung: Die Befragten hatten noch nicht mitbekommen, dass die Mehrheit die grünen Pläne unterstützt. Sobald sich das rumspricht, ändert sich auch die Einschätzung der Wahlauswirkungen.

2. Medien-Echo: In Ermangelung anderer Anahltspunkte setzen die Befragten die überwiegend negativen Reaktion der Medien mit der zu erwarteten Reaktion der Wählerschaft gleich.

3. Nüchterne Abwägung: Die Befragten wissen, dass die Vorschläge bei der Mehrheit gut ankommen, erwarten aber trotzdem Wahlnachteile, z.B.  weil die Gegner besonders einflussreich sind.

4. Risikoscheu: Wie in anderen Fragen auch, sehen die Deutschen auch bei politischen Initiativen  grundsätzlich eher die Risiken als die Chancen.

5. Gemischte Gefühle: Die Befragten unterstützen dei grünen Pläne zwar grundsätzlich, haben aber diffuse Vorbehalte, denen bei der Frage nach den Wahlauswirkungen Ausdruck verleihen.

Welche Erklärung ist am überzeugendsten? Countdown zur Bundestagswahl freut sich auf Zuschriften. Unser Tipp ist eine Kombination der Gründe Nr. 2 und Nr. 3.