Archiv für den Monat: Juni 2013

Blick zurück: 100 Tage vor der Bundestagswahl

Zur Einordnung der aktuellen Umfragezahlen ein wenig historische Perspektive. Unten ist der Umfrageschnitt jeweils 100 Tage vor den letzten Bundestagswahlen aufgeführt. In Klammern finden sich die jeweiligen Veränderungen bis zur Wahl.

2009: CDU/CDU 35,8 (-2,0), SPD 24,3 (-1,3), Grüne 12,1 (-1,4), FDP 14,1 (+0,7), Linke 9,5 (+2,4). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 0,7% zugunsten von Schwarz-Gelb.

2005: CDU/CSU 46,4 (-11,2), SPD 28,5 (+5,7), Grüne 8,6 (-0,5), FDP 6,8 (+3,0), Linke 5,3 (+3,4). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 7,2% zugunsten von Rot-Grün.

2002: CDU/CSU 38,8 (-0,3), SPD 34,6 (+3,9), Grüne 6,6 (+2,0), FDP 10,7 (-3,3), Linke 5,6 (-1,6). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 4,7% zugunsten von Rot-Grün.

Bei allen drei Bundestagswahlen von 2002 bis 2009 sah es 100 Tage vor der Wahl nach einem Wahlsieg für Schwarz-Gelb aus. Gemeinsam kamen Union und FDP zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen auf 49%-53%.

2005 zeigten die Umfragen einen schwarz-gelben Vorsprung vor Rot-Grün von sage und schreibe 16%, 2002 stolze 8,5%. Doch in beiden Fällen lag am Wahlabend schließlich Rot-Grün vor Schwarz-Gelb. 2002 bescherten Oderflut und Irak-Krieg Rot-Grün einen Mobilisierungsschub, 2005 eine erfolgreiche inhaltliche Kampagne gegen die Steuerpläne der Union. 2009 dagegen fiel die rot-grüne Aufholjagd aus. Merkels Demobilisierungsstrategie wirkte.

Was heißt das für 2013? Auch wenn der Wahlkampf bislang eher an 2009 erinnert als an 2002 oder 2005, kann auf den etzten Hundert Tagen noch viel passieren. Schwarz-Gelb liegt mit knapp 45% deutlich schlechter als in den letzten Wahljahren, Rot-Grün trotz schwacher 40% immer noch besser als 2005 und 2009. Und der für eine rot-grüne Merheit erforderliche Wählerswing von 4,4% ist nicht präzedenzlos.

Was sagen uns die Landesumfragen zur Bundestagswahl?

Die letzten Wochen haben ein Dutzend neue Länder-Umfragen gebracht, bei denen auch nach der Wahlabsicht zur Bundestagswahl gefragt wurde. Den Infratest dimap Landes-Trend aus Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland sowie Forsa-Umfragen aus Bayern und Berlin. Der jeweilige rot-grüne Stimmenanteil ist in den der folgenden Grafik darfgestellt.

Landesumfragen

Wie gut oder schlecht sehen diese Zahlen im Vergleich zu früheren Wahlergebnissen aus? Die nächste Grafik zeigt die Gewinne und Verluste gegenüber den Bundestagswahlen 2009 (grüner Balken) und 2002 (rot). Die gute Nachricht ist, dass Rot-Grün in allen Ländern deutlich über dem Ergebnis der verlorenen Bundestagswahl 2009 liegt. An die Stimmergebnisse der gewonnen Bundestagswahl 2002 kommen SPD und Grüne aber in keinem Land heran.

Landesumfragen Gewinne

Nun sähe ein rot-grüner Wahlerfolg 2013 sicher anders aus als 2002. Zum einen könnte aufgrund der weiteren Zersplitterung der Parteienlandschaft nach den aktuellen Umfragen schon ein Stimmanteil von nur 44,0% reichen, um Rot-Grün eine Mehrheit der Sitze zu verschaffen. Zum anderen sind Änderungen im regionalen Wahlverhalten zu berücksichtigen, wie sie bei der letzten Bundestagswahl deutlich wurden. Deshalb wird als dritter Vergleichswert ein rot-grünes Wahlsiegs-Szenario herangezogen (SPD 29%, Grüne 15%, Bund-Länder-Stimmverteilung wie 2009).

In diesem durch die violetten Balken dargestellten Szenario ergeben sich markante Unterschiede zum Wahlergebnis 2002. Brandenburg und das Saarland tragen erheblich weniger zum rot-grünen Gesamtergebnis bei als 2002. Dafür müsste Rot-Grün in Bayern trotz des geringeren bundesweiten Stimmanteils mehr Stimmen gewinnen als 2002.

Die abschließende Grafik zeigt, wie weit Rot-Grün in den einzelnen Ländern auf dem Weg von dem schlechten Wahlergebnis 2009 zu einem Sieg bei der Bundestagswahl 2013 gekommen ist. In NRW, Baden-Württemberg, Brandenburg und dem Saarland liegt Rot-Grün demnach zumindest in Reichweite der Ergebnisse, die für einen Wahlsieg nötig wären. In Bayern und vor allem in Berlin sind sie weit davon entfernt.

Aufholfaktoren

Der Unterschied lässt sich zum Teil mit den institutstypisch schlechten Abschneiden der SPD in Forsa-Umfragen erklären. Doch insbesondere das Berliner Ergebnis deutet auch auf gravierende regionale Schwierigkeiten der SPD bei der Wählermobilisierung hin.

Die geheimen Vorlieben der Meinungsforscher, Teil 2

Nein, der Countdown zur Bundestagswahl wechselt nicht ins Fach “Klatsch und Tratsch”. Es geht nur um ein Update zur Analyse über den bias der Meinungsumfragen, die aus der Methodik der einzelnen Umfrageinstitute folgende Tendenz der Institute für einzelne Parteien besonders gute oder schlechte Werte zu ermitteln. Hier also die durchschnittlichen Abweichungen der Institute vom Umfrageschnitt, auf der Grundlage der Zahlen von 30 Wochen Countdown zur Bundestagswahl:

Die negativen Forsa-Zahlen der SPD bleiben der mit Abstand stärkste erkennbare bias. Dafür schneidet die Linke bei Herrn Güllner auffällig gut ab. Die Emnid-Zahlen liegen am nächsten am Umfrageschnitt. Und die Grünen kommen bei keinem Institut ungewöhnlich gut weg, die FDP nirgendwo besonders schlecht.

Kommunalwahl an der Küste: Grüne und SPD legen zu

Die Kommunalwahl am 26. Mai brachte Gewinne für SPD und Grüne bei deutlichen Verlusten von Linken und FDP. Das vorläufige landesweite Ergebnis (in Klammern der Vergleich zur Kommunalwahl 2008):

CDU 38,9 (+0,3), SPD 29,8 (+3,2), Grüne 13,7 (+3,4),FDP 5,0 (-4,0), Linke 2,5 (-4,4).

In absoluten Stimmen stellen sich die Gewinne und Verluste so dar:

S-H Kommunalwahl