Archiv für den Monat: Januar 2013

Wahlanalyse Hannover

Die Region Hannover hat eine sehr detaillierte Wahlanalyse zur Landtagswahl erstellt (http://tinyurl.com/atalxne). Interessante Ergebnisse:

-          Wählermagnet: In der Landeshauptstadt haben die Grünen am meisten Stimmen von den Linken dazu gewonnen, in der Region von der CDU.

-          Eine Partei, zwei Kulturen? Im Hannoveraner Umland konnten die Grünen 11% der CDU-Wähler von 2008 an sich ziehen, in der Stadt nur 1,6%.

-          Weil aktiviert: Die meisten NichtwählerInnen aktivierte in Stadt und Region die SPD.

-          Sage mir wie Du wohnst …: Schwarz-Gelb holt in Vierteln mit Ein- und Zweifamilienhäusern 20 Prozentpunkte mehr als im Stadtdurchschnitt, SPD-Wähler findet man am ehesten in 60er-Jahre-Wohnungen (+7) und das sicherste Indiz für eine grüne Wahlentscheidung ist die Altbauwohnung (+12).

Die Tories, UKIP und Europa

Ein Grund für die zunehmend anti-europäischen Töne von Premierminister Cameron ist sicher im Erstarken der nationalistisch-rechtspopulistischen UKIP zu sehen. Durch die Ankündigung des EU-Referendums konnten die Tories in den Umfragen kurzfristig ein paar Prozente von UKIP abziehen. Ob dieser Effekt anhält ist aber fraglich, wie der unschätzbare UK Polling Report erläutert (http://ukpollingreport.co.uk/page/2). Denn sogar bei UKIP-WählerInnen steht Europa nur auf Platz 5 der wichtigsten Themen (die Ressentiments gegen Einwanderer und Sozialleistungsempfänger mobilisieren stärker). Insofern dürfte Camerons Selbstinszenierung als entscheidungsstarker Staatsmann seinen Umfragewerten mehr geholfen haben als sein inhaltlicher Anti-Europa-Kurs.

Zweite Amtseinführung Obamas

Heute ist der Tag der Inauguration. Historisch betrachtet gibt es gute Gründe, Obamas Antrittsrede nicht zu viel Beachtung beizumessen  (http://tinyurl.com/ar6txfg).  Die Zahlen zu Obamas 51,1%-47,2%-Sieg über Romney sind hier interessant aufbereitet: http://tinyurl.com/9wttfyk.

Neue Grüne: Matthias Gastel

gastel

Matthias Gastel, 42 Jahre, selbständiger Wirtschaftsmediator aus Nürtingen/Filder, Platz 10 der Landesliste Baden-Württemberg.

Lieber Matthias, Glückwunsch zur Wahl auf die Landesliste! Wie viel Wahlprozente brauchst Du am 22.09. für Dein Ticket nach Berlin? Da die baden-württembergischen Grünen derzeit 11 Abgeordnete stellen, hoffe ich, dass wir das Ergebnis, das für meinen Einzug in den Bundestag notwendig ist, deutlich toppen werden.

Was hast Du bisher politisch gemacht? Anfang der 1990er-Jahre habe ich die Grüne Jugend in Baden-Württemberg mit gegründet und im Landesvorstand mitgearbeitet. Seit 1994 bin ich leidenschaftlich kommunalpolitisch aktiv und gehöre dem Vorstand unserer kommunalpolitischen Vereinigung in Ba-Wü an.

Welches inhaltliche Thema liegt Dir besonders am Herzen? Meine Hauptthemen sind die Verkehrs- und die Arbeitsmarktpolitik. In meinem Wahlkreis liegt der Landesflughafen mitsamt der umstrittenen Bahnanbindung des Projekts Stuttgart 21. Zur Arbeitsmarktpolitik habe ich durch meine beruflichen Tätigkeiten Zugang.

Wir stimmen demnächst über grüne Schlüsselprojekte für die Bundestagswahl ab. Welche drei Projekte würdest Du in den Mittelpunkt stellen? Die Verkehrswende (endlich mit einem/einer grünen VerkehrsministerIn!), faire Arbeit und eine Familienpolitik, bei der das Kind im Mittelpunkt steht.

Was denkst Du über die Parteiströmungen – notwendiges Übel oder anachronistischer Klüngel? Da ich aus der Kommunalpolitik komme, haben die Strömungen in meinem politischen Alltag bisher kaum eine Rolle gespielt. Ich betrachte die Flügel als notwendigen Bestandteil unserer Partei. Sie dürfen die Partei aber nicht lähmen und nicht spalten, sondern müssen sich ergänzen.

MdB sind auch Arbeitgeber – hast Du Erfahrung mit dieser Rolle? Ja. Ich hatte eine Zeitarbeitsfirma (so etwas gibt es selbst bei uns Grünen!), mit der ich auf den Sozialbereich spezialisiert war.

Danke und viel Erfolg für den Wahlkampf!

 

Erste Lehren aus der Niedersachsen-Wahl

-          Rot-Grün kann gewinnen. Trotz Gegenwind für Rot-Grün wählten die Niedersachsen die Alternative zu Schwarz-Gelb. Nur 36% hießen die Regierungskoalition gut, Rot-Grün 52% (Infratest). Die neue rot-grüne Bundesratsmehrheit gibt Sozialdemokraten und Grünen neue Möglichkeiten, sich als rot-grüne Alternative zu profilieren.

-          Politik ist wichtiger als Personen: 73% der WählerInnen fanden, dass David McAllister seine Sache gut gemacht hat, auch knapp Zweidrittel der SPD- und Grünen-WählerInnen. 51% hätten ihn direkt gewählt (Infratest). Diese hohen persönlichen Zustimmungswerte haben Schwarz-Gelb nicht retten können. Geht es Angela Merkel im Herbst genauso?

-           It’s not always the economy, stupid: Bei den Kompetenzwerten für Wirtschaft (+21), Finanzen (+19) und Arbeit (+6) lag die CDU deutlich vor der SPD (FGW). Gerade weil die WählerInnen mit der wirtschaftlichen Lage recht zufrieden sind, spielten diese Themen aber keine überragende Rolle (Als wichtigstes Thema wurden benannt: Bildung 45%, Arbeit 24%, Wirtschaft 13%, Atom 10% (Infratest).

-          Pyrrhussieg der FDP: Nur 9% ihrer eigenen WählerInnen hielten die FDP für die beste Partei (FGW). Das muss ein Negativ-Rekord sein. Dank massiver Leihstimmen aus dem Unionslager dürfen die Liberalen jetzt mit dem unbeliebtesten Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl ziehen, den eine Partei je aufgestellt hat. Glückwunsch!

-          Die Grünen punkten mit ihren Themen: Die Mobilisierungswirkung der grünen Top-Themen Energiewende, Massentierhaltung und Bildung lässt sich nicht nur am landesweiten Rekordergebnis von 13,7% ablesen, sondern auch vor Ort in Universitätsstädten, Tierhaltungsregionen und rund um Atomstandorte (s.u.).

-          Schwarz-Gelb wählt taktischer: Trotz Ausgleichsregelung hätten CDU-Überhangmandate die rot-grüne Mehrheit fast noch verhindert. Das wäre dann taktischen KoalitionswählerInnen zu verdanken gewesen: In nicht weniger als 17 Wahlkreisen mit rot-grüner Stimmenmehrheit wurde der CDU-Kandidat direkt gewählt, in nur einem Wahlkreis mit schwarz-gelber Mehrheit der SPD-Kandidat. Bedenkenswert.

Wahlanalyse Grüne

-          Partei mit Zukunft: Die Grünen sind die einzige Partei, die bei WählerInnen unter 45 Jahren überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt (17-18%, FGW).

-          Grüne Landliebe: Während die Grünen ihre besten Ergebnisse weiter in Universitätsstädten erzielen, holen sie die größten relativen Zuwächse auf dem Land.

-          Grüne Kompetenzen: Bei Energiepolitik (Grüne 33%, CDU 26%, FGW) und erstmals Landwirtschaftspolitik (Grüne 35%, CDU 34%, Infratest) liegen die Grünen vorne.

-          Grüne Demographie:  Grün wählen deutlich mehr Frauen als Männer (16%/12%), mehr Unter 60-Jährige als Senioren (18%/8%) und besonders WählerInnen mit Abitur oder Hochschulabschluss (20% bzw. 24%). 10% unter Arbeitern sind für Grüne ein beachtlicher Wert.

Niedersachsen-Wahl: Grüne Top-Ergebnisse

TOP 5 Grüne Ergebnisse
28,5% Göttingen-Stadt (Wahlkreis von Stefan Wenzel & Jürgen Trittin)
25,8% Oldenburg-Mitte
25,3% Hannover-Mitte
25,1% Lüneburg
23,4% Oldenburg-Nord

Wie immer kommen die grünen Spitzenwerte aus Universitätsstädten – sicher auch ein Erfolg der bildungspolitischen Angebote der Grünen – …

TOP 5 Grüne Zuwächse (relativ)
+123% Holzminden (Wahlkreis von Christian Meyer – Landwirtschaftsminister in spe?)
+122% Delmenhorst
+118% Salzgitter (Schacht Konrad)
+113% Peine
+110% Cloppenburg-Nord

… aber die dramatischten Zuwächse gibt es diesmal auf dem Land. In 12 Wahlkreisen konnten die Grünen ihren Zweitstimmen-Stimmenanteil mehr als verdoppeln. Auffällig darunter sind Kreise mit Massentierhaltung (Cloppenburg +103%, Cloppenburg-Nord, Grafschaft Bentheim +107%, Delmenhorst, Holzminden) oder Atomanlagen (Salzgitter [Konrad], Wolfenbüttel-Süd [Asse] 106%; im Kreis Elbe [Gorleben] erreichten die Grünen 20,4%, +7,3%). Ein klares Indiz dafür, dass die grünen Wahlkampfthemen vor Ort wirklich gezogen haben.

TOP 5 Grüne Ergebnisse auf dem Land
20,4% Elbe (Gorleben)
17,1% Buchholz (Hamburger Vorland)
17,0% Osterholz
16,0% Oldenburg-Land
16,0% Rotenburg

TOP 5 Grüne Zuwächse (absolut)
+9,2% Oldenburg-Nord
+8,8% Oldenburg-Mitte
+8,5% Osnabrück-West (Wahlkreis Doro Steiner)
+8,3% Osnabrück-Ost
+8,1% Lüneburg

Schlägt die FDP ihre Umfragezahlen?

In den Medien wurde in der letzten Woche mehrfach darauf hingewiesen, dass die FDP bei den letzten Wahlen in NRW und Schleswig-Holstein ihre Umfragezahlen deutlich übertreffen könnte. Tatsächlich lagen die Liberalen dort am Ende 3,1% bzw. 1,9% über dem Schnitt der Umfragen, die 10 Tage oder weniger vor der Wahl veröffentlicht wurden. Aber wie repräsentativ sind diese Beispiele? Ein systematischerer Blick auf die Zuverlässigkeit der Wahlumfragen bei den Landtagswahlen zeigt, dass es sich wohl eher um Rosinenpickerei handelt:

Anders als in NRW und S-H wurden die Liberalen in den meisten Wahlumfragen etwas überbewertet. Im Durchschnitt haben sich die Umfragen – trotz zum Teil erheblicher Streuungen in den Einzelergebnissen (vgl. z.B. CDU NRW 2012) – bei allen Parteien als sehr verlässlich erwiesen.

5 Tage bis zur Niedersachsenwahl – es wird spannend!

Vier neue Umfragen in den letzten Tagen ergeben folgenden neuen Schnitt (Vergleich zur Vorwoche):

CDU 39,5 (-0,1)
FDP 4,9 (+1,0)
SPD 32,6 (-0,2)
Grüne 13,4 (+0,5)
Linke 3,8 (+0,3)
Piraten 3,0 (-0,9)

Rot-Grün: 46
Schwarz-Gelb: 44,4

Mit der zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Wiedereinzugs der FDP würde nun schon ein Swing von 0,9% hin zu Schwarz-Gelb für die Bestätigung der Landesregierung genügen. (Vorwoche: 3,4%)

Die neuen FDP-Umfragewerte und ein Abrutschen der Piraten an den Wahlbörsen führen zu einer Annäherung der Zahlen von Umfrage-Instituten und Börsianern: An den Wahlbörsen erreicht die CDU nun im Schnitt 37,5, die SPD 32,0, Grüne 12,7, FDP 5,6, Linke 4,3, Piraten 4,7 (https://boerse.prognosys.de/markt/ltw-ni-2013; http://eix.handelsblatt.com/). Rot-Grün 44,7, Schwarz-Gelb 43,1.