Archiv für den Monat: Dezember 2012

Lektüretipp

Für Leseabende zwischen den Jahren sehr zu empfehlen: Sasha Issenberg’s „The Victory Lab – The Secret Science of Winning Campaigns“. Der Autor schildert die Entwicklung der US-Wahlkampfmethoden von den ersten Wahlumfragen bis zum Microtargeting unserer Zeit. Dabei geht es ihm immer wieder um den Wert, den empirische Daten und wissenschaftliche Methoden für den Wahlkampf haben. Er berichtet von großen und kleinen Wahlkampagnen, bei denen Innovationen den Unterschied zwischen Erfolg und Niederlage machten. Diese Themen hat Issenberg auch in seiner Berichtserstattung über den US-Wahlkampf 2012 wieder aufgegriffen. Diese spannende dreiteilige Artikelserie in der MIT Technology Review lässt sich daher als Fortsetzungskapitel von „The Victory Lab“ lesen: http://tinyurl.com/b8ajfog .

Jung, weiblich, Wählerin – grün?

Das zweite Kompetenzfeld, bei dem die Grünen in der besagten Infratest/dimap-Umfrage herausstechen, ist die Frauenpolitik: „Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, die Chancen für Frauen zu verbessern?“ Ergebnis: SPD 29, Grüne 23, Union 23.

Zu dieser Kompetenzzuschreibung passend, werden die Grünen hauptsächlich von Frauen gewählt. Bei der Bundestagswahl 2009 erhielten die Grünen bei einem Gesamtergebnis von 10,7% unter Männern nur 9,4%, unter Frauen aber 12%. Und von den sechs grünsten demographischen Gruppen der repräsentativen Wahlstatistik sind fünf weiblich, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

Westdeutsche Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahre stellten am Wahltag 2009 rund 15% aller Wählerinnen und Wähler, aber knapp 26% der Grünen-WählerInnenschaft. Und dass, obwohl die Wahlbeteiligung in dieser Gruppe deutlich unter dem Durchschnitt lag und im Vergleich zu 2005 übermäßig zurückgegangen ist. Hier gibt es für die Grünen also noch einiges Wachstumspotential.

Zahl der Woche: 32%

Infratest/dimap fragte: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, „für sichere und bezahlbare Energie zu sorgen“? 32% nannten die Grünen, 22% die SPD, 21% die Union.

Hohe Werte für die Grünen sind beim Thema Energie nichts Ungewöhnliches. Doch bei einer Fragestellung, die sich unmittelbar auf „bezahlbare Energie“ bezieht, ist diese deutliche Kompetenzzuschreibung doch eine Überraschung. Zumal die Republik gerade erst einen starken Anstieg der EEG-Umlage und eine scharfe Lobbykampagne gegen vermeintlich zu teure grüne Energie erlebt hat. Die grüne Strategie, über das Thema Industrieprivilegien eine gerechte Lastentragung in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken, ist offenbar aufgegangen.

http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2012/dezember/

Blick nach Norden: 38 Tage bis zur Niedersachsenwahl

Nach Verschickung des letzten Countdown zur Bundestagswahl hat die FGW ihre neuen Niedersachsen-Zahlen veröffentlicht. Damit gibt es jetzt genug aktuelle Umfragen um auch hier einen aussagekräftigen Schnitt zu bilden:

CDU 40, FDP 3,7, SPD 32,3, Grüne 13,7, Linke 3,3, Piraten 3,7 = ein Dreiparteienparlament mit deutlicher rot-grüner Mehrheit, Swing 3,4%.

Mehr Spannung verheißen die Wahlbörsen von Tagesspiegel (https://boerse.prognosys.de/markt/ltw-ni-2013) und Handelsblatt (http://eix.handelsblatt.com, Registrierung notwendig!) mit CDU 36-37, FDP 6, SPD 33, Grüne 12-13, Linke 4, Piraten 5 – fünf Parteien im Landtag, keine rot-grüne Mehrheit. Der 20.01. wird zeigen wer Recht behält.

Blick zurück: US-Präsidentschaftswahl

Einen Monat nach der Präsidentschaftswahl sind in den USA noch immer nicht alle Stimmen ausgezählt. Zwischenzeitlich hat sich Obamas Vorsprung vor Romney auf rund 4 Prozentpunkte oder knapp 5 Millionen Stimmen ausgeweitet. Der Präsident hat damit deutlich besser abgeschnitten als am Wahlabend angenommen. Die aktuellsten Zahlen liefert Dave Wasserman vom renommierten Cook Political Report auf der Seite http://tinyurl.com/ct7nsax.

Dass sich das Ergebnis des demokratischen Kandidaten mit fortschreitender Auszählung verbessert, ist keine Überraschung. Zum einen beginnt die liberale Westküste zuletzt mit der Auszählung. Die Stimmauszählung dauert in den überwiegend demokratischen Großstädten länger als auf dem dünnbesiedelten Land, wo die Republikaner stark sind. Und gerade bei Wählergruppen, die überwiegend demokratisch wählen (Jugendliche & Minderheiten), gibt es oft Probleme bei der Wahl. Ihre Wahlberechtigung muss dann nach der Wahl zeitaufwendig überprüft werden. Gibt es ähnliche Auszählungstrends auch in Deutschland?

Blick nach Norden: 45 Tage bis zur Niedersachsenwahl

Umfragen zur Landtagswahl sind rar.  Die aktuellste wurde von GMS im Auftrag der Landes-CDU erstellt und zeigt folgende Werte (mit Veränderung zur LTW 2008): CDU 41% (-2), FDP 4% (-4), SPD 32% (+2), Grüne 13% (+5), Linke 3% (-4), Piraten 4%; bei einem gleichmäßigen Swing könnten SPD und Grüne 2,2% nachgeben, ohne die eigene Mehrheit zu verlieren.

Die letzte Umfrage von Infratest ist schon einen Monat alt. Deshalb nehme ich eine kleine Anpassung an den seither bei Infratest feststellbaren Bundestrend vor (CDU & SPD -1, Grüne +1). Das Ergebnis:  CDU  40, FDP 3, SPD, 33, Grüne 14, Linke 3, Piraten 3. Swing: 3,9%.

Die Umfragen sehen übereinstimmend ein 3-Fraktionen-Parlament mit mehr oder weniger knapper rot-grüner Mehrheit. Ganz anders die Wahlbörsen von Tagesspiegel (https://boerse.prognosys.de/markt/ltw-ni-2013) und Handelsblatt (http://eix.handelsblatt.com, Registrierung notwendig!): CDU 36/35, FDP 6/6, SPD 33/32, Grüne 12/13, Linke 4/4, Piraten 5/5 – fünf Parteien im Landtag, keine rot-grüne Mehrheit. Auffällig sind das relativ schlechte Abschneiden der CDU und die durchgängig besseren Werte für die kleineren Parteien. Eine Erklärung könnte idealistisches oder strategisches Marktverhalten der Anhänger von FPD und Piraten sein. Oder aber die Marktteilnehmer sind – wie bei manchen Wahlbörsen der Vergangenheit – einfach näher dran an der Stimmung im Land als die Umfrageinstitute. Der 20.01. wird zeigen wer Recht behält.