Kategorie-Archiv: Analyse

Veggie-Day: Als Idee gut, als grüner Vorschlag nicht?

Bei der Wahlanalyse der Grünen dürfte nach dieser Woche der Veggie-Day nur eine Nebenrolle spielen. Trotzdem ist es interessant, zwei widersprüchlich Umfragen dazu zu vergleichen.

Laut einer gestern veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach finden 46% der Bevölkerung einen fleischlosen Tag in Kantinen eine gute Idee. Nur 41% sind anderer Meinung. Demgegenüber hatte Infratest dimap Anfang August nur 36% Zustimmung und 61% Ablehnung zum Veggie-Day gemessen. Wie lässt sich diese Diskrepanz erklären? Hat etwa die Debatte der letzten Wochen die Stimmung so stark zugunsten eines vegetarischen Tages verschoben?

Es könnte auch an der Fragestellung liegen: Während Allensbach in der Frage neutral vom Vorschlag eines Veggie Days berichtete, identifizierte Infratest dimap die Idee als grünen Vorschlag. Offenbar gibt es also Leute die einen Veggie-Day gut finden – aber nur, wenn er nicht von den Grünen kommt! Dazu passt, dass die  parteibezogegenen Frage zu einer etwas höheren Zustimmung unter Grünen-Anhängern führt, die neutrale Frage zu höherer Zustimmung bei allen anderen Parteien: Einen Veggie-Day finden 44% der CDU/CSU-Anhänger gut. Den grünen Vorschlag dazu nur 29%.

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TV-Duell: Macht es einen Unterschied?

In den Umfragen nach TV-Duellen gab es meicht nur leichte Verschiebungen in den Kräfteverhältnissen der Parteilager. Rot-Grün legte nach Schröders Duell-Erfolgen 2002 und 2005 etwas zu, ebenso nach Steinmeiers Patt 2009.

Duell Auswirkungen neu Umfrage

(Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Veränderungen der Wahlumfragen unmittelbar nach dem Duell bei Infratest, FGW und Forsa.)

Bis zur Wahl konnte Rot-Grün nach den erfolgreichen Schröder-Duellen jeweils noch weiter zulegen, 2005 sogar deutlich. Das Patt 2009 hinterließ am Wahltag dagegen keine Spuren.

Duell Auswirkungen neu Wahl

(Die Tabelle zeigt die Abweichung des Wahlergebnisses vom Umfrageschnitt der letzten Umfrage vor dem TV-Duell bei Infratest, FGW und Forsa.)

Update 11.09.: Nachdem nun auch Forsa seine ersten komplett nach dem TV-Duell erhobenen Daten veröffentlicht hat, lässt sich Bilanz ziehen: Der erhoffte Schub für Rot-Grün ist ausgeblieben. Auf die Stärke der politischen Lager hatte das Kanzlerduell keine messbare Auswirkung. Signifikante Bewegung gab es nur von den Grünen (-1,7) hin zur SPD (+1,4).

Duell 2013

TV-Duell: Das Spiel mit den Erwartungen

Bei US-Präsidentschaftsdebatten gilt: Es gewinnt, wer die Erwartungen übertrifft. Ein unerwartet starker Auftritt erntet in der Regel wohlwollendes Medienecho und frisches Wählerinteresse. Das erklärt das komische Spiel der “expectation settings” vor den Debatten, in dem die Wahlkampagnen den gegnerischen Kandidaten regelmäßig als größtes Redetalent seit Demosthenes darstellen, den eigenen Kanddaten hingegen als unbeholfenen Stotterer.

So gesehen hat Peer Steinbrück gute Chance als gefühlter Sieger aus den TV-Duell mit der Kanzlerin am Sonntag hervor zu gehen. Denn Merkel geht als eindeutige Favoritin ins Rennen, nur wenige erwarten einen Debattentriumph Steinbrücks. Das ging auch früheren HerausforderInnen nicht besser (Frage: Wer wird das Duell gewinnen?):

Duell Erwartungen

Spiegelbildlich ist es stets der Herausforderer, der die Erwartungen des Publikums übertrifft (Frage: War der Kandidat besser als erwartet?):

Duell besser als erwartet

Zumindest im Spiel der Erwartungen kann Peer Steinbrück am Sonntag daher kaum verlieren!

Dreißig Tage

Dreißig Tage vor der Bundestagswahl stehen Sozialdemokraten und Grüne in den Umfragen  jeweils einen Tick besser da als zum gleichen Zeitpunkt vor vier Jahren. Die Union ist deutlich stärker, die FDP dramatisch schwächer als 2009.

30-1  (Tabelle: Umfrageschnitt 30 Tage vor der Bundestagswahl)

Der deutliche Vorsprung von Schwarz-Gelb vor Rot-Grün vor der Wahl ähnelt der demoskopischen Ausgangslage dreißig Tage vor den letzten drei Bundestagswahlen. Dabei steht Schwarz-Gelb heute schwächer dar als 2002, 2005 oder 2009.

30-2 (Tabelle: Umfrageschnitt 30 Tage vor der Bundestagswahl)

Den Vorsprung, den die Umfragen 30 Tage vor der Wahl auswiesen, konnte Schwarz-Gelb bei den letzten Wahlen nicht bis zum Wahltag halten. 2002 und 2005 legte Rot-Grün in den letzten vier Wahlkampfwochen jeweils noch eine furiose Aufholjagd hin. Und im lustlosen Wahlkampf 2009 verloren beide Lager kurz vor der Wahl an Zustimmung. Ein ähnlicher Einbruch in diesem Jahr würde Schwarz-Gelb die Wiederwahl kosten.

30-3(Tabelle: Abstand zwischen dem Umfrageschnitt 30 Tage vor der Wahl und dem Wahlergebnis.)

Beherrschende Themen und Umfragewerte

Im Lauf des Wahljahres 2013 ist die Presseberichterstattung zu Kernthemen von Sozialdemokraten und Grünen wie sozialer Gerechtigkeit und Energie spürbar zurückgegangen. Parallel dazu sanken auch die Umfragewerte beider Parteien. Es liegt nahe, hier eine doppelte Wechselbeziehung zu vermuten: Während die verringerte Medienaktualität rot-grüner Themen den Umfragewerten der beiden Wunschpartner geschadet haben dürfte, hat es die demoskopische Schwächung der Parteien sicher nicht leichter gemacht, die eigenen Themen in den Medien zu setzen.

Für diese Analyse hat Countdown zur Bundestagswahl in der Pressedokumentation des Deutschen Bundestags anhand von Suchwort-Clustern die Zahl der Artikel ermittelt, die pro Woche bestimmte Themen aus den Bereichen “soziale Gerechtigkeit”, “Energiewende”, “Bürgerechte”, “Euro-Krise” und “Natur-/Tierschutz” ansprachen. Qualitative Kriterien wie Platzierung und Länge der Artikel konnten bei dieser quantitativen Erhebung leider nicht berücksichtigt werden. Da die Auswahl der Suchworte naturgemäß etwas willkürlich ist, lässt das Ergebnis auch nur begrenzte Schlüsse über die relative Gewichtung der Themen zu. Es zeichnet aber nach, wie sich die Berichterstattung zu den einzelnen Themen in Zeitverlauf entwickelt hat.

Pressetreffer 2013

Es zeigt sich: Bei vier der fünf Themen zeigt sich eine klarer Rückgang der Berichterstattung im Jahresverlauf. Zum Teil lässt sich das mit der Prominenz des fünften Themas – Bürgerrechte – im zweiten Halbjahr erklären. In den letzten Wochen dürfte auch die Zunahme von reiner, themengelöster Wahlkampfberichterstattung ein Faktor gewesen sein.

Was immer die Gründe, für Sozialdemokraten und Grüne war die verringerte Berichterstattung zu ihren Kernthemen sicherlich ein Manko, wie eine Gegenüberstellung mit den durchschnittlichen Umfragewerten der Parteien im betrachteten Zeitraum unterstreicht.

Presseteffer und Umfragen

Damit soll nicht geleugnet werden, dass die gegenwärtige Umfrageschwäche von Rot-Grün noch manch andere Ursachen hat. Sie lassen sich aber meist nicht so gut quantifizieren wie die sich ändernden Themenschwerpunkte der Medien.

INSA-Zahlen: Neuer Trend oder Ausreißer?

In einer an guten Nachrichten armen Zeit bietet die dienstägliche Veröffentlichung der neuen Wahlumfrage von INSA oft einen der wenigen Hoffnungsschimmer für bedrückte Anhänger eines rot-grünen Regierungswechsels. So auch heute wieder: Die neue INSA-Umfrage beschreibt ein enges Rennen zwischen Sozialdemokraten und Grünen mit zusammen 41% und Schwarz-Gelb mit 43%. Sie ist zugleich die einzige Umfrage, nach der eine rot-grüne Mehrheit näher liegt als die Wiederwahl von Schwarz-Gelb.

Die NSA-Zahlen hatten schon lange eine leichte Tendenz, die Union unterzubewerten. Betrachtet man den Countdown zur Bundestagswahl-Umfrageschnitt der letzten 10 Monate, lag der INSA-Wert für die Union im Mittel rund 1,3 Prozentpunkte darunter, der für Rot-Grün um 1,0 Prozent höher.  Mit der heutigen Umfrage geht die Schere aber noch viel weiter auseinander, wie die nachfolgende Tabelle zeigt. Sie vergleicht die neue INSA-Umfrage mit dem Umfrageschnitt der sechs übrigen großen Institute.

INSA Ausreißer

So markante Abweichungen vom Umfrageschnitt in der Regel auf einen statistischen Ausreißer hin. Oder wird die Wahl doch noch einmal enger und INSA hat den Trend nur als erstes erkannt? Wir dürfen auf die nächsten Umfragen gespannt sein…

Update 21.08.: Die neuen Umfragen von Allensbach und Forsa verschärfen die Ausnahmestellung von INSA noch.

Stimmung und Stimmen

Zu den seltenen Lichtblicken in diesem für Rot-Grün düsteren Umfragejahren gehörten die politischen Stimmungsbilder der Forschungsgruppe Wahlen. Nun sind solche Stimmungsbilder von Natur aus volatiler als die Projektionen zur Sonntagsfrage. Auch sind die Werte eines einzelnen Umfrageinstituts weniger verlässlich als der Umfrageschnitt.

Trotzdem war es interessant, dass Rot-Grün in der politischen Stimmung Anfang August mit 46% vor Schwarz-Gelb mit 44% lag. Schließlich hatte sich 2005 der Umschwung in den letzten Wahlkampfwochen frühzeitig in der politischen Stimmung abgezeichnet. Doch danach sieht es 2013 nicht aus: DIese Woche haben sich die Politbarometer-Stimmungswerte scharf zugunsten von Schwarz-Gelb (51% zu 37%) gedreht.

Stimmung

 

Ein Wählerrätsel

In der gleichen Infratest dimap-Umfrage erklären 78% Merkels Aussagen zur NSA-Spähaffäre für nicht glaubwürdig…

ARD-DeutschlandTREND_August2013_NSA

… aber 65% halten sie dennoch für eine glaubwürdige Politikerin! Das impliziert eine Schnittmenge von mindestens 43% der Bevölkerung, die Merkel trotz vermuteter NSA-Lügen weiter für insgesamt glaubwürdig halten.

ARD-DeutschlandTREND_August2013_15_merkel

Ein Beleg dafür, dass die Bevölkerung bei der Glaubwürdigkeit von Politikern keine allzu hohen Standards ansetzt? Oder ein Beispiel für Merkels Sonderstellung als Teflon-Kanzlerin?

 

Vierzig Tage zur Bundestagswahl

Vierzig Tage vor der Bundestagswahl steht die regierende schwarz-gelbe Koalition einer Wiederwahl deutlich näher als Rot-Grün dem erhofften Wahlsieg. Nach dem Durchschnitt der Umfrageinstitute fehlen Schwarz-Gelb dazu nur 0,1% der Stimmen. Sozialdemokraten und Grüne benötigt hingegen einen Wählerswing von 5,2% zu ihren Gunsten, um gemeinesam eine knappe Merheit zu erringen – genauso viel wie vor einem Monat.

Umfrageschnitt, 13.08.2013: Union 40,4, SPD 25,2, Grüne 13,4, FDP 5,2, Linke 7,1, Piraten 2,3, AfD 2,5.

Wie aussagekräftig sind diese Umfragewerte für die Wahl am 22. September? Ein Blick zurück auf die Umfrageergebnisse 40 Tage vor den Bundestagswahlen 2005 und 2009 zeigt, dass ganz unterschiedliche Szenarien denkbar bleiben.

2009 gab der Umfrageschnitt zu diesem Zeitpunkt schon einen ziemlich präzisen Ausblick auf den Ausgang der Bundestagswahl: Ein komfortabele schwarz-gelbe Mehrheit, die SPD auf Rekordtief, Grüne und LInke mit historischen Spitzenergebnissen. In den letzten sechs Wochen eines lustlosen Wahlkampfs verloren sowohl Schwarz-Gelb als auch Rot-Grün Stimmanteile. Der Umfrageschnitt im einzelnen: Union 36,4  (Wahlergebnis: 33,8), SPD 23,0 (23,0), FDP 14,3 (14,6), Grüne 12,2 (10,7), Linke 9,8 (11,9).

2005 liefert den Gegenentwurf. Auch vierzig Tage vor der Wahl gaben die Umfragen noch keinen Anlass zu Zweifeln am sicher geglaubten schwarz-gelben Wahlsieg. Die beiden Wunschkoalitionspartner kamen zusammen auf 51% der Stimmen, Rot-Grün lag abgeschlagen bei 35%. Es sollte anders kommen: In den letzten Wochen eines intensiven, polarisierenden Wahlkampfes verlor die konservativ-liberale Opposition kanpp 6%, während die Regierungsparteien über 7% zulegten: Union 43,7 (35,2), SPD 27,1 (34,2), FDP 7,2 (9,8), Grüne 8,0 (8,1), Linke 10,5 (8,7).

Freilich hatte die SPD 2005 den Kanzlerbonus, einen Spitzenkandidaten, der im direkten Vergleich besser abschnitt als seine Herausforderin, und ein breites Feld zur inhaltlichen Profilierung dank der übermütig vorgetragenen umwälzenden Steuerpläne von Schwarz-Gelb. Alles Vorteile, die ihr 2013 schmerzlich fehlen. Angesichts der in den letzten Wochen der Wahlkämpfe 2005 und 2009 gezeigten Mobilisierungsschwäche erscheint aber auch keine besondere schwarz-gelbe Siegeszuversicht angebracht.

 

Blick zurück: 100 Tage vor der Bundestagswahl

Zur Einordnung der aktuellen Umfragezahlen ein wenig historische Perspektive. Unten ist der Umfrageschnitt jeweils 100 Tage vor den letzten Bundestagswahlen aufgeführt. In Klammern finden sich die jeweiligen Veränderungen bis zur Wahl.

2009: CDU/CDU 35,8 (-2,0), SPD 24,3 (-1,3), Grüne 12,1 (-1,4), FDP 14,1 (+0,7), Linke 9,5 (+2,4). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 0,7% zugunsten von Schwarz-Gelb.

2005: CDU/CSU 46,4 (-11,2), SPD 28,5 (+5,7), Grüne 8,6 (-0,5), FDP 6,8 (+3,0), Linke 5,3 (+3,4). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 7,2% zugunsten von Rot-Grün.

2002: CDU/CSU 38,8 (-0,3), SPD 34,6 (+3,9), Grüne 6,6 (+2,0), FDP 10,7 (-3,3), Linke 5,6 (-1,6). Koalitionsprognose: Schwarz-Gelb. Swing zwischen den Lagern bis zur Wahl: 4,7% zugunsten von Rot-Grün.

Bei allen drei Bundestagswahlen von 2002 bis 2009 sah es 100 Tage vor der Wahl nach einem Wahlsieg für Schwarz-Gelb aus. Gemeinsam kamen Union und FDP zu diesem Zeitpunkt in den Umfragen auf 49%-53%.

2005 zeigten die Umfragen einen schwarz-gelben Vorsprung vor Rot-Grün von sage und schreibe 16%, 2002 stolze 8,5%. Doch in beiden Fällen lag am Wahlabend schließlich Rot-Grün vor Schwarz-Gelb. 2002 bescherten Oderflut und Irak-Krieg Rot-Grün einen Mobilisierungsschub, 2005 eine erfolgreiche inhaltliche Kampagne gegen die Steuerpläne der Union. 2009 dagegen fiel die rot-grüne Aufholjagd aus. Merkels Demobilisierungsstrategie wirkte.

Was heißt das für 2013? Auch wenn der Wahlkampf bislang eher an 2009 erinnert als an 2002 oder 2005, kann auf den etzten Hundert Tagen noch viel passieren. Schwarz-Gelb liegt mit knapp 45% deutlich schlechter als in den letzten Wahljahren, Rot-Grün trotz schwacher 40% immer noch besser als 2005 und 2009. Und der für eine rot-grüne Merheit erforderliche Wählerswing von 4,4% ist nicht präzedenzlos.