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Neue Umfragen, alte Zahlen

Kurz vor der Wahl beteiligen sich noch zwei neue Institute am allgemeinen Umfragereigen:

Das IfM Leipzig für die örtliche Volkszeitung und Trend Research für Radio Hamburg. Die Zahlen – Union 38, SPD 26/27, Grüne 9/10, FDP 5, Linke 10/9, AfD 5/4,5 (!) – sind schon etwas älter und weder durch die Bayern-Wahl noch die aktuelle Debatte um die Geschichte der Grünen beeinflusst.

Unter Berücksichtigung dieser und der neuen Allensbach-Werte sähe der Umfrageschnitt heute, 4 Tage vor der Wahl so aus (mit Vergleich zur Vorwoche):

Union 39,0  (-1,0)
SPD 26,7 (+0,8)
Grüne 10,2 (-0,4)
FDP 5,1 (-0,2)
Linke 8,9 (+0,4)
AfD 3,7 (+0,7)
Piraten 2,6 (=)

Schwarz-Gelb 44,1 : Opposition 45,8.

TV-Duell: Bisher keine Außenseitersiege

Bei den bisherigen vier TV-Duellen vor Bundestagswahlen hat in den Augen der ZuschauerInnen zweimal der Amtsinhaber gewonnen, zweimal gab es ein Patt. Der Herausforderer wurde noch nie zum Sieger gekürt. Peer Steinbrück hat am Sonntag also die Chance, Neuland zu betreten.

Duell gewonnen

(Die Tabelle zeigt die Durschnittswerte der genannten Umfrageinstitute zur Frage “Wer hat das TV-Duell gewonnen / mehr überzeugt?”)

Die richtigen Worte für den Wahlkampf

“Sprechen Sie zuallererst über Werte!” empfiehlt der Sprach-Leitfaden der CDU für den Bundestagswahlkampf. Das ist ein guter Rat, nicht nur für “Wertkonservative”. Denn Werte beeinflussen Wähler in der Regel mehr als Sachargumente. Und politische Kommunikation ist nach Erkenntnissen der Neurolingusitik am wirkungsvollsten, wenn sie mit Sprachbildern Werte transportiert. Im Fall der CDU mag die Bezugnahme auf allgemeine Werte zudem auch helfen, das Fehlen klarer inhaltlicher Wahlaussagen zu kaschieren.

Neurowissenschaftlich fundiert ist auch der Rat, die politischen Schlagworte der Gegenseite zu vermeiden. Denn so wie die Aufforderung “Denken Sie nicht an einen Elefanten!” zwangsläufig das geistige Bild eines Dickhäuters hervorruft, würde etwa die Aussage “Das Betreuungsgeld ist keine Herdprämie” die Zweifel am emanzipatorischen Wert des Instruments eher vertiefen als ausräumen.

Der lesenswerte CDU-Leitfaden findet sich hier. Ein Klassiker zum Thema ist “Auf leisen Sohlen ins Gehirn. Politische Sprache und Ihre heimliche Macht” von Georg Lakoff und Elisabeth Wehling.

Neue Grüne: Ulle Schauws

Ulle Schauws, Medienwissenschaftlerin aus Krefeld, Jahrgang 66, Platz 13 der Landesliste NRW

Ulle_Schauws_LaVo2012-2Liebe Ulle, welche Themen liegen Dir besonders am Herzen? Frauenpolitik. Soziale Gerechtigkeit. Vielfalt. Jedem Menschen, egal welchen Geschlechts oder welcher Herkunft stehen gleiche Chancen und gleiche Rechte zu. Ohne Gerechtigkeit zwischen Männer und Frauen kann es keine wirkliche Demokratie geben.

Was hast Du bisher politisch gemacht? Bevor ich frauenpolitische Sprecherin im Landesvorstand NRW wurde war ich lange Sprecherin der LAG Frauen. Ich bin im Bundesfrauenrat und in der LAG Queer aktiv. Vor meinem Job als Fraktionsgeschäfts-führerin habe ich mich mit kommunalem Mandat sozial- und kulturpolitisch eingemischt.

Wir alle stimmen im Juni über die grünen Schlüsselprojekte für die Bundestagswahl ab. Welche drei Projekte würdest Du in den Mittelpunkt stellen? Die Eigenständige Existenzsicherung ist ein ganz zentrales Schlüsselprojekt. Sie ist eine entscheidende Weichenstellung für mehr Geschlechtergerechtigkeit, die wir seit Jahren fordern. Und ein Grünes Alleinstellungsmerkmal. Das ist für den Wahlkampf wichtig – auch für die Abgrenzung zur SPD! Im Mittelpunkt sollte auch die Erhöhung des ALG II Satzes stehen. Ich finde außerdem wichtig, Wachstum durch das Kriterium Lebensqualität neu zu definieren. Wirtschaftswachstum ist nicht das Maß der Dinge.

Was hast du von der BDK mitgenommen? Wenig Papier, viel Motivation! Und ein ambitioniertes Programm, das mit einer umfassenden Umverteilungspolitik die Menschen in den Mittelpunkt nimmt, betonierte Machtverhältnisse aufbricht und den Realitäten unserer modernen Gesellschaft wirklich gerecht wird.

MdB sind auch Arbeitgeber… – und Arbeitgeberinnen! – … fühlst Du Dich darauf vorbereitet? Ja. Zu meinen beruflichen Erfahrungen in sehr unterschiedlichen Branchen – von der Redaktionsleitung bis zur Geschäftsführung in der Fraktion – zählte Personalverantwortung sehr oft dazu.

Und Wie viel Wahlprozente brauchst Du am 22.09., um in den Bundestag einzuziehen? 10% in NRW und im Bund würden reichen. Aber erst kommt ein engagierter Wahlkampf und dann das hoffentlich beste grüne Wahlergebnis für uns alle!

Erderwärmungsskeptiker

Einen interessanten Widerspruch bei der Wahrnehmung des Klimawandels hat eine YouGov-Umfrage aus Großbritannien zutage gefördert. Während 79% der Briten überzeugt sind, dass sich das Weltklima verändert, sagen nur 55%, dass die Erde sich erwärmt. Dabei ist “Klimawandel” nur ein anderer Begriff zur Beschreibung der Erderwärmung und ihrer Konsequenzen. Rund ein Viertel der Befragten weiß also nicht so richtig, worin der von Ihnen bejahte Klimawandel besteht.

Die Diskrepanz mag der frischen Erinnerung an einen relativ kalten Winter geschuldet sein. Oder ein alarmierendes Anzeichen für den Erfolg der Desinformationskampagnen der Klimaleugner. Denn in Realität ist der Trend der Erderwämung leider keineswegs gestoppt, wie die folgende Animation der NASA veranschaulicht.

Wie parteiisch sind die Umfrage-Institute?

Letzte Woche stand Forsa wieder einmal allein gegen alle. Während die anderen Umfrageinstitute Rot-Grün Werte zwischen 41% und 43% bescheinigten, vermeldete Forsa schockierende 38%. Auch sonst ist Forsa für auffallend niedrige SPD-Werte bekannt. Eine solche Tendenz zulasten oder zugunsten einer bestimmten Partei ist bei Umfrageinstituten nicht ungewöhnlich. Analysten wie Nate Silver vom bekannten Fivethirtyeight-Blog der New York Times berücksichtigen diesen “bias” bei der Gewichtung der Umfragezahlen.

In Deutschland hat das Phänomen bisher wenig Beachtung gefunden. Die von Countdown zur Bundestagswahl gesammelten Umfragezahlen seit Anfang November 2012 erlauben aber eine erste, vorsichtige Annäherung. Die folgende Tabelle berechnet für diese Zeitspanne die Abweichung der Umfragezahlen der verschiedenen Institute vom ungewichteten Umfrageschnitt. Das Umfrageinstitut mit den besten Zahlen für eine Partei ist dabei jeweils grün, das mit den schlechtesten rot markiert.

Es zeigt sich: Die negativen Forsa-Zahlen der SPD sind mit Abstand der stärkste erkennbare “bias”. Auch die relativ guten CDU-Werte bei der Forschungsgruppe Wahlen sind keine große Überraschung. Doch wer hätte gedacht, dass die CDU bei Allensbach am schlechtesten dasteht und die Grünen ausgerechnet von Herrn Güllner die besten Zahlen erhalten? Freilich ist der betrachtete Zeitraum relativ kurz, eine vertiefte Untersuchung ratsam. Fortsetzung folgt!

 

Wer wählte Beppe Grillo?

Die italienischen Parlamentswahlen kannten nur einen Sieger: Das erstmals zur Wahl angetretene Movimento 5 Stelle des Fernsehkomikers Beppe Grillo, die mit insgesamt 25,5% in fünf Regionen des Landes stärkste Partei wurde. Doch wer hat seine links-populistisch, euroskeptische Anti-Parteien-Partei gewählt? Einer Nachwahlanalyse zufolge kamen seine Wählerinnen zu etwa gleichen Teilen aus dem linken (30%) und aus dem rechten Lager (27%). 40% hatten bei der letzten Wahl nicht gewählt (http://tinyurl.com/cdndosm). Nach der Wahl wünschen sich 69% der “Grillini” eine Koalition aus Sozialdemokraten (PD) und M5S (http://tinyurl.com/bsf2j3p).

Die Tories, UKIP und Europa

Ein Grund für die zunehmend anti-europäischen Töne von Premierminister Cameron ist sicher im Erstarken der nationalistisch-rechtspopulistischen UKIP zu sehen. Durch die Ankündigung des EU-Referendums konnten die Tories in den Umfragen kurzfristig ein paar Prozente von UKIP abziehen. Ob dieser Effekt anhält ist aber fraglich, wie der unschätzbare UK Polling Report erläutert (http://ukpollingreport.co.uk/page/2). Denn sogar bei UKIP-WählerInnen steht Europa nur auf Platz 5 der wichtigsten Themen (die Ressentiments gegen Einwanderer und Sozialleistungsempfänger mobilisieren stärker). Insofern dürfte Camerons Selbstinszenierung als entscheidungsstarker Staatsmann seinen Umfragewerten mehr geholfen haben als sein inhaltlicher Anti-Europa-Kurs.

Zweite Amtseinführung Obamas

Heute ist der Tag der Inauguration. Historisch betrachtet gibt es gute Gründe, Obamas Antrittsrede nicht zu viel Beachtung beizumessen  (http://tinyurl.com/ar6txfg).  Die Zahlen zu Obamas 51,1%-47,2%-Sieg über Romney sind hier interessant aufbereitet: http://tinyurl.com/9wttfyk.

Lektüretipp

Für Leseabende zwischen den Jahren sehr zu empfehlen: Sasha Issenberg’s „The Victory Lab – The Secret Science of Winning Campaigns“. Der Autor schildert die Entwicklung der US-Wahlkampfmethoden von den ersten Wahlumfragen bis zum Microtargeting unserer Zeit. Dabei geht es ihm immer wieder um den Wert, den empirische Daten und wissenschaftliche Methoden für den Wahlkampf haben. Er berichtet von großen und kleinen Wahlkampagnen, bei denen Innovationen den Unterschied zwischen Erfolg und Niederlage machten. Diese Themen hat Issenberg auch in seiner Berichtserstattung über den US-Wahlkampf 2012 wieder aufgegriffen. Diese spannende dreiteilige Artikelserie in der MIT Technology Review lässt sich daher als Fortsetzungskapitel von „The Victory Lab“ lesen: http://tinyurl.com/b8ajfog .